Aus der Chronik

Die Dorfgemeinschaft in Fischenich war die erste ihrer Art „in näherer und weiterer Umgebung“ wie ihr Gründer, Georg Hammermann, einmal nach dem Krieg bezeugte.

Im Gründungsjahr herrschte in Fischenich ein sehr reges Vereinsleben. Es lag in der Natur der Sache, dass die größeren Vereine die kleineren dominierten, wenn es um Festveranstaltungen in den damals vorhandenen vier großen Sälen ging.

Hammermann (damals Bezirksvorsteher und Vorsitzender der „Theatergesellschaft Rheinperle“) gründete am 29. April 1934 die Dorfgemeinschaft, um das „rege Vereinsleben zusammenzuschließen und bei den jährlichen Dorfveranstaltungen unter einer Leitung mitzuwirken“ und blieb bis Kriegsende ihr Vorsitzender. Neben der Koordinierung von Sommerfesten und Weihnachtsfeiern fanden schon damals Ehrungen anlässlich von Hochzeiten sowie Alters- und Ehejubiläen unter Mitwirkung aller Vereine statt. Ab Mai 1935 wurden die Ehrungen durch Musik- und Gesangvorträge, Theatervorführungen und Darbietungen des TVA sowie der damaligen Tanzgruppe Fischenich aufgewertet.

Mit dem Ausbruch und dem Fortschreiten des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben auch in Fischenich mehr und mehr zum Erliegen. Letzte Nachweise gibt es durch Sparbucheintragungen aus den Jahren 1942/1943.

Nach dem Krieg entwickelte sich das gesellschaftliche Leben so langsam wieder – auch die Vereine wurden wieder aktiv. Dennoch dauerte es bis in das Jahr 1954 hinein, bis auch die Dorfgemeinschaft wieder von sich reden machte. Allmählich wurden Stimmen laut, die Dorfgemeinschaft wieder aufleben zu lassen, was einerseits mit den karnevalistischen Aktivitäten der Dorfvereine aber andererseits auch mit einer aufgekommenen Unsitte zusammen hing: es wurde zu oft und für alle möglichen Anlässe im Dorf gesammelt.

Der damalige Bezirksvorsteher, Wilhelm Ortwein, drängte die Vereine, wieder eine Dorfgemeinschaft zu bilden. Am 23. April 1954 wurde eine neue Satzung beschlossen und ein Vorstand gewählt. Beschlossen wurde auch, dass dem erweiterten Vorstand Vertreter aller Vereine angehören sollten. Die satzungsgemäßen Aufgaben waren bis auf geringe Unterschiede die gleichen wie heute: Durchführung von Altenehrungen, Feiern zu Goldhochzeiten und anderen Jubiläen, Besuch der Jubiläumsveranstaltungen der Vereine, die Gestaltung des örtlichen Karnevals, die Durchführung von Haussammlungen sowie Schlichtung bei Unstimmigkeiten zwischen den Vereinen.

Die Aktivitäten der Dorfgemeinschaft blühten auf. Auch widrigen Umständen wurde getrotzt, wie z.B. 1979 nach dem Brand des Saals Hülsenbusch (heute Fischenicher Hof), als der Saal in Eigenleistung durch die Fischenicher Vereine wieder instandgesetzt wurde.

Dass die Dorfgemeinschaft hierbei eine führende Rolle spielte, versteht sich von selbst. Oder um es mit den Worten des damaligen Vorsitzenden, Horst Curwy, auszudrücken:

„Ich meine, wir sollten alle noch etwas mehr zusammenrücken. Denn ein weniger „Ich“ und ein bisschen mehr „Wir“ führt zu gegenseitigem Vertrauen und stärkt dabei unbewusst das Selbstvertrauen“.

Seit der Gründung der Dorfgemeinschaft Fischenich gab es stets Menschen, die sich verantwortlich fühlten und das Ruder in schwerer Zeit in die Hand nahmen.

So auch im Jahr 2003, als die Dorfgemeinschaft einhergehend mit dem Umstand, dass der Saal unter Zwangsverwaltung gestellt wurde, in finanzielle Nöte geriet.

Unter Führung des im gleichen Jahr gewählten Vorsitzenden, Karl-Heinz Vetter, wurde ein Gesundungsprozess eingeleitet. Aber auch ihm wurde es nicht leicht gemacht, weil die Stadt Hürth im Jahr 2010 ihre finanziellen Zuschüsse an die Hürther Vereine generell strich. Geleitet von dem Gedanken, den letzten in Fischenich zur Verfügung stehenden Saal zu erhalten, gelang es abermals, die Dinge mit dem richtigen Augenmaß anzugehen.

Seit 2012 steht Raimund Westphal dem Verein vor. Er legt Wert darauf, dass Traditionen und Brauchtum gepflegt werden, wobei er versucht, diesen Leitgedanken mit neuen Ideen und Mitteln der Moderne zu mischen. Ebenso ist ihm ein kontinuierlicher Verjüngungsprozess des Vorstandes wichtig. „Hierbei ist aber auch darauf zu achten, dass die Mischung zwischen Jung und Alt erhalten bleibt. Die Erfahrungen der „Alten“ sind ebenso wichtig wie der Elan der „Jungen“, so Westphal.

Eines steht jedenfalls fest: die Fischenicher Vereine halten immer noch zusammen. Und dies ist auch angezeigt in Zeiten, in denen es immer schwerer wird, Menschen für ehrenamtliche Aufgaben zu begeistern.

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