Ritter Kuno von Viskenich

Das lustige und sympathische Vereins­mas­kottchen der KG Blau-Weiß Fische­nich heißt “Ritter Kuno”. Dieser Name kommt nicht von ungefähr. Einen Ritter “Kuno von Vyske­nich” gab es hier tatsächlich. Er wurde 1302 erstmals urkundlich erwähnt und starb 1351. Ritter Kuno gehörte einer nieder­rhei­ni­schen Adelsfamilie an, die im Mittelalter zu den großen Ritter­geschlech­tern in unserer Heimat zählte.

Als erster Burgherr wird 1189, der ersten urkundlichen Erwähnung von Fischenich, Ritter Otto von Viskenich genannt. Vermutlich war der 1166 in einer anderen Urkunde erwähnte Conradus de Vyskenich Otto’s Vater und der erste bekannte Besitzer der Fischenicher Burg. 1263 vermittelte Winrich von Viskenich in einem Streit zwischen dem Kölner Erzbischof Engelbert und der Stadt Köln. In Urkunden aus dem 12. und 13. Jahrhundert werden die Herren von Viskenich mehrfach „Ministeriale und edle Mannen“ der Kölner Erzbischöfe genannt.

Der bedeutendste Repräsentant dieses Geschlechtes war Ritter Kuno von Viskenich. Mit ihm beginnt die lückenlose Stammfolge. Kuno machte 1309 die Burg Fischenich zum Lehen und Offenhaus (Militärbasis) des Erzbischofs von Köln. Damit waren die Besitzer der Burg auch zur Teilnahme am Kurkölnischen Landtag qualifiziert.

Zur Burg Fischenich, die vermutlich bereits im 11. oder 12. Jahrhundert als äußerst wehr­hafter Rundling mit vier Türmen aus Gussmauerwerk der römischen Wasser­leitungen erbaut wurde und auch heute noch ganz besondere Bedeutung in der rheinischen Burgen­landschaft hat, gehörten damals 250 Morgen Land und mehrere Lehens­güter vom Kölner Stift Maria im Kapitol.

1320 wurde Ritter Kuno auf Grund eines Schied­­spruchs des Grafen Gerhard von Jülich Pfandinhaber und Amtmann der Stadt und der Burg Brühl. Er war dann 1323 Schiedsrichter zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof und 1329 maß­geblich am Schlichtungs­vertrag zwischen dem Erzbischof Heinrich und der Stadt Köln von 1329 beteiligt. In einer späteren Urkunde wird Ritter Kuno zusammen mit dem Herzog von Jülich und weiteren Rittern “Getreue der Kölnischen Kirche” genannt.

Der Name seiner Gattin ist nicht bekannt. Sein gleichnamiger Sohn Kuno heiratete Gutgin von Binsfeld. Beide hatten fünf Kinder, von denen Conrad von Vischenich 1371 mit Fischenich belehnt wurde. Spätere Nachkommen gehörten dann zu den Raubrittern, die während und nach den Wirren der Soester Fehde 1444/49 die Straßen nach Bonn, Zülpich und Aachen unsicher machten und die Kauf­leute aus­plünderten.

Das Bauerndorf Fischenich hat in vielen Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen viel gelitten und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts durch pfalzgräfische und bayrische (1581, 1585), truch­sessische (1584, 1588), spanische (1589), holländische (1591) und Neusser und Moerser (1595) Truppen ausgeplündert und gebrandschatzt.

Offenbar war außer der Ortslage zuwischen Köln und Brühl auch die strategische Stärke der Burg, die dann Ende des 16. Jahrhunderts im truch­­sessischen Krieg zerstört wurde, das Schicksal des Ortes.

Aus dem 12./13. Jahrhundert stammt auch das Fischenicher Wappen, das damit heute über 700 Jahre alt ist. Das dem damaligen Zeitgeist entsprechende schlichte Wappen besteht aus drei Teilen: dem Wappenschild, darüber ein stilisierter Ritterhelm, als Helmzier einen Jagdhund mit Decke.

Das Wap­penschild zeigt in Silber einen schwarzen Balken, darüber einen ebenfalls schwarzen Fisch. Über dem Helm ist ein rot­bezungter Hundekopf mit schwarz-silberner Decke und schwarzem Halsband abgebildet.

Die Abbildung stammt aus dem Buch von Clemens Klug „Hürth – Wie es war, wie es wurde“, Robert Steimel Verlag, Köln, 1961.

Durch die Ruine der Fischenicher Burg, aber auch durch das Wappen und das Vereins­maskottchen der KG Blau-Weiß Fischenich von 1957 e.V., „Ritter Kuno“, bleibt die Erinnerung an ein bedeutsames Rittergeschlecht, dessen Blütezeit immerhin über 600 Jahre her ist und das bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts erloschen ist, im Bewusstsein unserer Zeit  lebendig.

Helmut Görtz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*