Die gestohlene Glocke

Im Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Martinus zu Fischenich hängt eine in­zwischen sehr beachtliche über 580 Jahre alte Glocke mit einer sehr interessanten Geschichte. Die 930 kg schwere Glocke wurde 1430 n.Chr. gegossen, Schlagton e’, und trägt die Inschrift „Johannes Baptist heisne ich – Zu Gottes deynst lyden ich – Al Unwedder verdriben ich – Heinrich goys mich MCCCCXXX“.

Vagabundierende Soldaten stahlen sie 1669 und versetzten sie in Köln für 350 Reichstaler. Franzosen, die sich im Fürstenbergischen Krieg erneut hier in der Gegend aufhielten, brachten die Glocke 1686, also 17 Jahre später, wieder zurück. Sie wurde von ihnen am „27ten in den Thurm aufgehenkt“, wie der damalige Pastor Henricus Windhammer in einem alte Missale vermerkte. Wegen ihres großen kunsthistorischen Wertes entging diese alte Glocke den Ablieferungs­pflichten in den beiden Weltkriegen.

Die übrigen alten Glocken von 1711 und 1857 wurden gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 abgeliefert und 1929 durch drei neue ersetzt. Diese Glocken wurden aber nicht in die alte Glockenstube positioniert, sondern erhielten ihren Platz in einer neuen hölzernen Glockenstube mit neuen Schalllöchern, die als Zwischengeschoss in den Turmhelm eingebaut wurde. Diese Glocken läuteten bis 1943 und fielen dann dem 2. Weltkrieg zum Opfer.

1954 bestellte der Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Martinus dann bei der Gießerei Petit und Edelbrock in Gescher drei neue Glocken für 10.638 DM: die große „Herz-Jesu-Glocke“ (fis’), die mittlere „Gefallenen-Glocke“ (gis’) und die kleine „Pfarrglocke“ (a’). Die Glockenweihe war vermutlich am 20.03.1955. Das Geläute mit der Tonfolge fis’, gis’ und a’ ermöglicht mit der historischen Glocke von 1430 (e’) reizvolle Klangkombinationen.

Helmut Görtz

Quellen:

Robert Wilhelm Rosellen: Die Geschichte des Dekanates Brühl (1887),

Beschlussprotokolle des Kirchenvorstandes St. Martinus, Hürth-Fischenich

Foto: Helmut Görtz

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